Leben & Wohnen

Zur Geschichte der ehemaligen Mönchsrother jüdischen Gemeinde

Die Anfänge der jüdischen Gemeinde in Mönchsroth liegen weitgehend im Dunkeln. Ein erster Beleg für Juden in Mönchsroth findet sich in einem Nördlinger Messbegleitbuch aus dem Jahr

1593. Diese Register verzeichnen seit 1587 sämtliche Juden, die sich zum Besuch der Nördlinger Pfingstmesse einfanden. Der Bildung des fränkischen Landjudentums vorangegangen war die bereits im 15. Jahrhundert beginnende Zeit der Vertreibung der Juden aus den Reichstädten Süddeutschlands. Mit der Aufhebung des Zinsverbotes und den damit verbundenen neuen wirtschaftlichen Perspektiven für die christlichen Unternehmer geht die Monopolstellung der Juden im Geldgeschäft und damit ihre wirtschaftliche Lebensgrundlage verloren. Zu Neid und Missgunst, religiöser und sozialer Ausgrenzung kommt nun wirtschaftliches Konkurrenzdenken hinzu, begünstigt durch die Vorbehalte des traditionellen christlichen Antijudaismus. Aufnahme fanden die Juden bei den kleineren Herrschaften, so auch bei der seit 1522 über Mönchsroth regierenden evangelischen Linie der Grafen von Oettingen-Oettingen. Nach dem Tod des kinderlosen Fürst Albrecht Ernst II. im Jahr 1731 fiel der Mönchsrother Besitz an die Linie Oettingen-Spielberg.

Die Landesherren ließen sich den über Schutzbriefe geregelten Judenschutz mit einer ganzen Reihe von Abgaben gut bezahlen, was dazu führte, dass ein Großteil der Gemeindemitglieder an der Armutsgrenze ihr Dasein fristen mussten. Nach dem Dreißigjährigen Krieg stieg die Zahl der in Mönchsroth und auch im benachtbarten Regelsweiler ansässigen Juden, vor allem dann im 18. Jahrhundert, kontinuierlich an. Während 1701 drei Haushaltsvorstände verzeichnet sind, waren es 1758 bereits 19. Am 29. August 1761 erfolgte die feierliche Einweihung einer Synagoge mit Schulräumen und dem Reinigungsbad, der sogenannten Mikwe. Aus dem Jahr 1758 stammt das entsprechende Gesuch der Mönchsrother Juden an Fürst Aloys I. von Oettingen- Spielberg, gegen das der damalige Mönchsrother Pfarrer Johann Paul Kraus (1708-1764) seine Bedenken anmeldete. Er wehrte sich gegen den geplanten Umzug durchs Dorf mit der feierlichen Einholung der Thorarollen. Das Mönchsrother Oberamt wurde daraufhin angewiesen darauf zu achten, dass bei der Einweihung “aller Unfug, Ausschweiffung und Unordnung” vermieden und dem allen möglichst vorgebeugt werde.

Als bauliches Vorbild für die Synagoge diente die 1755 errichtete Leutershausener Synagoge. Kennzeichnend sind die an beiden Längswänden sich befindenden Rundbogenfenster, die einfache Gliederung des längsrechteckigen Saalraumes mit einem umlaufenen Kämpfergesims und einem Spiegelgewölbe über einer Voute, eines dreieckförmig abgeschrägten Auflagers. An der Westseite der für eine Landgemeinde wie Mönchsroth durchaus stattlichen Synagoge befanden sich die beiden jeweils für Frauen und Männer getrennten Eingänge. Der linke Eingang, die Frauenseite, führte hinauf auf die Empore, die rechte Tür führte ins Erdgeschoß und war den Männern vorbehalten. Über der mit schlichten, gleichfarbigen Füllungen versehenen Brüstung der Frauenempore befand sich ein rund 1m hohes Holzgitter mit diagonal in Rautenmustern angebrachten Holzstäben, zur Beleuchtung diente ein Kronleuchter. Die Decke war blau, mit goldenen Sternen bemalt. An der Frontseite war bis zu seiner Schändung im Jahr 1937 ein ca. 60 x 60 cm großer „Brautstein“ angebracht. Vor diesem Stein wurden unter einem Baldachin die Ehen geschlossen. Die Mikwe befand sich ursprünglich im Keller der Synagoge, später dann in einem Nebengebäude, betrieben mit Hilfe eines Regenwasserspeichers.

In diesem bis 1938 gottesdienstlich genutzten Gebäude, heute Rathausstraße 1, konnte unter den Brettern des Dachbodens im Jahr 1988 ein sensationeller Genisafund geborgen werden. Die Genisa ist der traditionelle Verwahrort für religiöses Schrifttum und Kultgegenstände. Diese befand sich im fränkischen Landjudentum oft über “dem Himmel”, wie die blaue, mit goldenen Sternchen bemalte Synagogendecke auch genannt wurde. Ausgediente Thorarollen, religiöse Schriften, Briefe, Gebetsriemen und weitere religiöse Requisiten sollten über dem heiligen Ort ruhen, waren sie doch einst zur Ehre Gottes geschrieben, gedruckt, und verwendet worden. Fünf Zentner geborgenes Material geben einen beeindruckenden Einblick in das vielfältige Leben der Mönchsrother Judengemeinde von der Barockzeit bis zur Frühindustrialisierung.

1785 zählte man 153 Juden im Dorf, das sind über 30% der damaligen Bevölkerung. Da seit dem Hochmittelalter aus den Zünften ausgeschlossen, stand ihnen als Erwerbszweig nur der Handel und die Geldleihe offen, wobei der Viehhandel den bedeutendsten Erwerbszweig ausmachte. Im Jahr 1813 geben von den 42 Haushaltsvorständen 18 Viehhandel an, sieben Hausierhandel, fünf Handarbeit (Knechte), acht Leder-, Alteisen- und Güterhandel. Bis auf zwei lebten bei der Steuerveranlagung alle an der Armutsgrenze. Vier jüdische Einwohner waren als Lehrer für den Unterricht der Kinder abgestellte “Brödlinge” der Kultusgemeinde. Ein gewisser David Morum Hirsch leitete sogar ein kleines Lehrhaus und verfasste einen Kommentar zu den fünf Büchern Mose. Dies zeigt den geistigen Reichtum und relativ hohen Bildungsstand der einstigen Mönchsrother Judenschaft mit einer für das fränkische Landjudentum typischen, stark ausgeprägten Religiosität. Bereits vor Einführung der allgemeinen Schulpflicht und der Errichtung einer von 1826 bis 1890 betriebenen israelitischen Elementarschule gab es ein organisiertes Schulwesen auf der Basis von mehreren Privatlehrern.

Die zunehmende Emanzipation und die sich verbessernde Rechtslage im neu entstandenen Königreich Bayern brachten ab dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts auch für die Mönchsrother Gemeinde grundlegende Veränderungen mit sich. Auswanderungen und Landflucht in die Städte reduzierten die Gemeinde erheblich. Die gesellschaftliche Stellung der Juden verbesserte sich im Zuge allgemeiner politischer und wirtschaftlicher Stabilität zunehmend. Aus den Hausierern von einst waren geachtete Nachbarn geworden, die sich für ihr Dorf engagierten, in den örtlichen Vereinen tätig waren und in Beweisen vaterländischer Gesinnung der christlichen Bevölkerung in nichts nachstanden. Bei der Einweihung des Kriegerdenkmals von 1870/71 im Jahr 1892 hält der hoch angesehene jüdische Arzt Dr. Josef Goldschmidt die “Rede auf Kaiser und Reich”. Im Gefallenendenkmal des 1. Weltkrieges im Chorraum der Klosterkirche St. Peter und Paul sind mit Simon Mayer und Leopold Schulmann zwei jüdische Mitbürger genannt, die für ihr Vaterland ihr Leben ließen .

Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus setzte auch in Mönchsroth in der 30er Jahren eine letzte Auswanderungswelle ein. Die Progromnacht vom November 1938 löschte das Leben der Mönchsrother jüdischen Gemeinde endgültig aus. Bereits im August 1938 war die Gemeinde für aufgelöst erklärt worden. Die meisten Ritualien der Synagoge waren dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden in München übergeben worden und fielen gemeinsam mit dem 1936 dorthin verbrachten Gemeindearchiv dem Novemberprogrom zum Opfer Am 25. 11. 1939 wurde die Synagoge von der Gemeinde Mönchsroth angeeignet und als Turnraum und Rathaus genutzt. Seit 1967 ist sie im Privatbesitz. Neben der ehemaligen Synagoge erinnern noch einige Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof in Schopfloch an ehemalige Mönchsrother Juden und ihre kulturell so reiche Gemeinde.

Friedhof Mönchsroth an der Klosterkirche

Panorama Klosterkirche Winter

 

Satzung

Gebührenordnung

 

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