Kirchen

Die Dorfkirche St. Oswald und ihre Baugeschichte
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  Aufnahme: W. Boullon

 

Die Mönchsrother Kirchweih wird immer am ersten Sonntag im August gefeiert. Sie orientiert sich mit dieser traditionellen Datierung an den Tag des Schutzpatrons St. Oswald, den 5. August.
Die Kirchweih erinnert uns an unsere Kirche im Dorf. Sie ist Lebenszeichen des Glaubens, verbunden mit vielen Erinnerungen und Erlebnissen für die Menschen, die um sie herum leben. Sie ist Wegbegleiter an den entscheidenden Stationen des Lebens. Menschen haben diese Kirche gepflegt, bewahrt, an ihr gearbeitet und sie erhalten über die Generationen und Jahrhunderte hinweg. Die Älteren im Dorf erinnern sich noch an den letzten großen Umbau der Dorfkirche im Jahr 1937/38. Kaum einer aber weiß noch, dass aus diesem Umbau beinahe einige Jahrzehnte vorher ein Neubau geworden wäre.

Zusammen mit dem Münchner Architekten Edinger hatte Pfarrer Georg Bickel (1862-1924) bereits im Jahr 1918 einen derartigen Plan entworfen. Er sah den völligen Neubau der zu klein und bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts baufällig gewordenen Kirche im Stil einer Kathedrale mit Gemeinde- und Konfirmandensaal vor. Auch die Umgestaltung des Schulhauses war in diese Konzeption mit einbezogen worden. So wäre damals beinahe ein richtiges modernes „Gemeindezentrum“ entstanden. Doch der Plan konnte trotz der vorhandenen Mittel nicht mehr verwirklicht werden. Am 7. Januar 1919 wurde Architekt Edinger in München als völlig Unbeteiligter bei Unruhen erschossen. Die Inflation und der Tod von Pfarrer Bickel im Jahr 1924 setzten dem Plan des Kirchenneubaus ein endgültiges Ende.

Nach Vorarbeiten von Baurat Neeser aus Dinkelsbühl entwarf Regierungsbaumeister Eberhard Braun im Jahr 1936 den Plan für den Umbau der alten Dorfkirche. Die Arbeiten begannen im Mai 1937. Das Kirchenschiff wurde bis fast auf die Grundmauern abgetragen. Die Entfernung des Bodenbelags brachte zahlreiche Grüfte und Grundmauern früherer Kirchenschiffe zum Vorschein, die eine Rekonstruktion der Baugeschichte erlaubten.

Es ist heute schon fast in Vergessenheit geraten, dass sich früher um die Dorfkirche herum der alte Friedhof befand. Auch im Inneren der Kirche wurden Erdbestattungen vorgenommen. Ein Grabschriftenverzeichnis aus dem Jahr 1767 führt für die Dorfkirche allein 16 Grabinschriften auf, unter anderem auch die Inschrift von Pfarrer Georg Stiftenberger, der im Jahr 1558 als erster evangelischer Prediger für unsere Pfarrei bezeugt ist. Die alte bedachte Friedhofsmauer, die sich um die Kirche herum befand und ihr den Charakter einer Wehrkirche gegeben hat wurde 1832 abgebrochen.

Den ältesten Teil der Kirche finden wir im unteren Teil des Turmes, der in seinem Erdgeschoss den Chor mit einem einfachen Kreuzgewölbe enthält. Seinen Bauformen nach dürfte er etwa um 1350 entstanden sein. Die Gesamtform des Turmes kann man sich in Anlehnung an die in unserer Gegend vorkommenden altfränkischen Kirchtürme in ziemlich niedriger, gedrungener Form vorstellen, wie heute noch in Ruffenhofen (Markt Weiltingen) sichtbar. Seine Höhe betrug etwa 21 m. 100 Jahre später erhielt er im Zuge einer Aufstockung ein Fachwerkstockwerk, ähnlich dem Segringer Kirchturm. Erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts erhielt er seine heutige Gestalt mit der „Welschen Haube“.

Die nächsten Erweiterungen der Kirche erfolgten mit dem Anbau der Sakristei im Norden (um 1400) und einer ihr benachbarten Nebenkapelle (um 1480). In diesem Zeitraum wurde eine Verlängerung des Kirchenschiffes nach Westen vorgenommen, die ihm die heutige Länge von 23 m gab.

Ihre bis 1937 erhaltene äußere Form bekam die Kirche um 1600. Die Nordwand wurde bis zum Westgiebel in einer Flucht mit der alten Sakristeiwand erweitert. An der Westseite wurde eine Empore eingezogen, die etwas später an der Nordwand fortgeführt wurde. Dieser Emporeneinbau fällt vermutlich mit der Errichtung der Kanzel zusammen, die am Deckel die Jahreszahl 1620 trägt. 1685 wurde „wegen Ermangelung der Stül“ die Nordempore bis zur Ostwand des Kirchenschiffes verlängert. Aus dieser Zeit stammt die Anordnung der 30 auf Holz gemalten Öltafeln der Emporenbrüstungen, ein beeindruckendes Zeugnis fränkischer Emporenmalerei. Vermutlich wurden dabei ältere Bilder verwendet und mit dem Zyklus der Apostelbilder ergänzt. Das Jesusbild trägt die Inschrift des Mönchsrother Pfarrers Georg Krafft, der von 1678 bis 1694 hier tätig war.

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde über dem Chorbogen an der Ostwand eine neue Orgelempore geschaffen, wohl unter dem Einfluss markgräflicher Kirchenbauten.
Um 1800 war der Platz in der Kirche wiederum zu klein geworden. So wurde über der alten Empore im Westen eine weitere Empore eingezogen. Sie wurde „Affenstall“ genannt und wurde von den unverheirateten Männern der Gemeinde genutzt.

Das Ziel der 1937 erfolgten Erweiterung und Renovierung war es, den ursprünglichen Charakter der alten Kirche weitgehend zu erhalten. Notwendig geworden war eine Erweiterung um 100 Sitzplätze, die durch das Herausrücken der Südwand um 1,50 m möglich wurde. Im Inneren wurde die alte Orgelempore über dem Chorbogen beseitigt, die Orgel fand ihren neuen Platz auf der Westempore, die nur in einem Stockwerk wieder aufgebaut wurde. Das Gestühl wurde vollkommen erneuert. In der Sakristei wurden 12 Apostelkreuze aufgedeckt, die aus dem 15. Jahrhundert stammen dürften. Das Kirchenschiff wurde wie früher mit einer Holztonne überspannt, ohne allerdings die alten Durchzüge zu verwenden. Der Plan zur Wiederherstellung der alten Friedhofsmauer konnte leider nicht verwirklicht werden. Es wurde lediglich das ehemalige Tor an der Südwestseite der Kirche wieder aufgebaut. Bei der Dorfsanierung wurde es Mitte der 80er Jahre wieder entfernt.

Die Baugeschichte unserer Kirche zeigt, dass die Kirche immer wieder den Erfordernissen der Zeit entsprechend erweitert oder verändert wurde. Die Menschen lebten mit ihrer Kirche und die Kirche lebte mit den Menschen, prägte das Leben im Rhythmus der Zeit. Davon ist bis heute noch viel zu spüren in der Mönchsrother Dorfkirche.

Die Klosterkirche St. Peter und Paul
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  Aufnahme: W. Boullon

Romantisch am Unterlauf der Rothach gelegen, erinnert heute nur noch das Kirchengebäude der Klosterkirche St. Peter und Paul an die einstige Benediktinerprobstei Roth. Auf die nicht genau datierbare Gründung als Hirsauer Filiale um 1130 verweist das gotische Stifterbild links neben dem Eingang an der Außenwand der Südseite. Unter Christus als dem Weltenrichter sind hier die Stifter Hermann von Leiningen und seine Frau Adala sowie Diemo, Graf von Prozelten dargestellt. Nach einem Hinweis im Codex Hirsaugiensis schenkten sie dem Kloster Hirsau hundert Huben in „Rotha“ und den benachbarten „villulae“ mit der Auflage, dort ein Benediktinerkloster zu errichten.Zunächst unter den Staufern unter der Vogtei des Reiches, kam es mit deren Niedergang mehrmals zu Verpfändungen der Vogtei. Am Ende setzten sich die oettingischen Grafen durch. Sie wollten hier vor den Toren der Freien Reichsstadt Dinkelsbühl ihre machtpolitischen Interessen gewahrt wissen. Im Jahr 1347 übergab Abt Wighart von Hirsau an die Grafen Ludwig VII. und Friedrich II. von Oettingen endgültig die Vogtei von Mönchsroth.
Mit Hilfe der Oettinger erhielt das Kloster im Laufe der Zeit zunehmend Selbständigkeit und Einfluss in den umliegenden Gebieten. So gelang es dem ab 1517 amtierenden Propst Melchior Röttinger sogar, neben Walxheim und Segringen ab 1523 das Patronatsrecht über die Dinkelsbühler St. Georgs-Kirche auszuüben. Im Jahr 1536 war bei ihm im Kloster wohl mehrere Monate lang der berühmte Arzt Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, zu Gast. Er vollendete dort sein Werk „Die große Wundarznei“. Dieses gilt als eines der grundlegenden medizinischen Werke an der Schwelle zur beginnenden Neuzeit.Auch die schweren Zeiten und Plünderungen in der Zeit des Bauernkrieges im Jahr 1525 konnte das Kloster überstehen. Durch Brandschatzung wurde allerdings der südliche Turmaufbau zerstört. Mit den Geldern der Schadensersatzforderungen finanzierte Propst Röttinger zwei neue Glocken. Das Langhaus ließ er mit verspielter Renaissance-Malerei verzieren. Als Ersatz für den zerstörten Altar diente das „Feuchtweck-Epitaph“ mit seinem zweisäuligem Renaissanceaufbau. Es befindet sich heute in der linken vorderen Nische des Langhauses und wurde als Altar im Jahr 1908 durch den neugotischen Flügelaltar von dem Mönchsrother Malerpfarrer Georg Bickel ersetzt. Mit seinen Kopien von Dürer und Holbein schuf dieser malende Seelsorger eine einmalige evangelische Altarkomposition, die heute dem Chorraum sein besonderes Gepräge verleiht.Nach der Abdankung von Propst Röttinger im Jahr 1556 war der Weg frei für die Reformation durch Graf Ludwig XV. von Oettingen. Neben der spätgotischen Kreuzigungsgruppe gehört das Epitaph von Melchior Röttinger an der Südseite des Langhauses wohl zu den eindrücklichsten Kunstdenkmälern der Kirche.
Es zeigt ihn mit Mitra, Stab und anderen Pontifikalien, deren Recht zu tragen er 1533 von Papst Clemens VII. erkauft hatte. Das Grabmal stammt vermutlich von dem zur damaligen Zeit in Nördlingen tätigen Bildhauer Hans Fuchs.Am 13. März 1558 wurde unter dem letzten Propst Mathias Langenmayer die Reformation eingeführt. Die Versuch, nach der Auflösung des Klosters eine Lateinschule einzurichten, schlugen fehl. Der Erwerb der Kirche durch die Kirchengemeinde im Jahr 1766 bewahrte diese vor dem endgültigen Verfall. Die übrigen Gebäude wurden nach dem Übergang der oettingischen Grafschaft an Bayern im Jahr 1812 und nach Auflösung des Vogtamts im Jahr 1850 abgetragen. Die letzte große Renovierung mit Freilegung der Renaissancemalereien wurde im Jahr 1988 abgeschlossen. Als letzter Schritt wurde im Jahr 2001 das gotische Fenster an der Südseite wieder geöffnet.
Die Kirche wird während der Sommermonate als Gottesdienstort genutzt.Kirchenführungen sind nach Voranmeldung jederzeit möglich. Der Schlüssel für Besichtigungen ist im Pfarramt erhältlich.

 

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