Die Klosterkirche St. Peter und Paul
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  Aufnahme: W. Boullon

Romantisch am Unterlauf der Rothach gelegen, erinnert heute nur noch das Kirchengebäude der Klosterkirche St. Peter und Paul an die einstige Benediktinerprobstei Roth. Auf die nicht genau datierbare Gründung als Hirsauer Filiale um 1130 verweist das gotische Stifterbild links neben dem Eingang an der Außenwand der Südseite. Unter Christus als dem Weltenrichter sind hier die Stifter Hermann von Leiningen und seine Frau Adala sowie Diemo, Graf von Prozelten dargestellt. Nach einem Hinweis im Codex Hirsaugiensis schenkten sie dem Kloster Hirsau hundert Huben in „Rotha“ und den benachbarten „villulae“ mit der Auflage, dort ein Benediktinerkloster zu errichten.Zunächst unter den Staufern unter der Vogtei des Reiches, kam es mit deren Niedergang mehrmals zu Verpfändungen der Vogtei. Am Ende setzten sich die oettingischen Grafen durch. Sie wollten hier vor den Toren der Freien Reichsstadt Dinkelsbühl ihre machtpolitischen Interessen gewahrt wissen. Im Jahr 1347 übergab Abt Wighart von Hirsau an die Grafen Ludwig VII. und Friedrich II. von Oettingen endgültig die Vogtei von Mönchsroth.
Mit Hilfe der Oettinger erhielt das Kloster im Laufe der Zeit zunehmend Selbständigkeit und Einfluss in den umliegenden Gebieten. So gelang es dem ab 1517 amtierenden Propst Melchior Röttinger sogar, neben Walxheim und Segringen ab 1523 das Patronatsrecht über die Dinkelsbühler St. Georgs-Kirche auszuüben. Im Jahr 1536 war bei ihm im Kloster wohl mehrere Monate lang der berühmte Arzt Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, zu Gast. Er vollendete dort sein Werk „Die große Wundarznei“. Dieses gilt als eines der grundlegenden medizinischen Werke an der Schwelle zur beginnenden Neuzeit.Auch die schweren Zeiten und Plünderungen in der Zeit des Bauernkrieges im Jahr 1525 konnte das Kloster überstehen. Durch Brandschatzung wurde allerdings der südliche Turmaufbau zerstört. Mit den Geldern der Schadensersatzforderungen finanzierte Propst Röttinger zwei neue Glocken. Das Langhaus ließ er mit verspielter Renaissance-Malerei verzieren. Als Ersatz für den zerstörten Altar diente das „Feuchtweck-Epitaph“ mit seinem zweisäuligem Renaissanceaufbau. Es befindet sich heute in der linken vorderen Nische des Langhauses und wurde als Altar im Jahr 1908 durch den neugotischen Flügelaltar von dem Mönchsrother Malerpfarrer Georg Bickel ersetzt. Mit seinen Kopien von Dürer und Holbein schuf dieser malende Seelsorger eine einmalige evangelische Altarkomposition, die heute dem Chorraum sein besonderes Gepräge verleiht.Nach der Abdankung von Propst Röttinger im Jahr 1556 war der Weg frei für die Reformation durch Graf Ludwig XV. von Oettingen. Neben der spätgotischen Kreuzigungsgruppe gehört das Epitaph von Melchior Röttinger an der Südseite des Langhauses wohl zu den eindrücklichsten Kunstdenkmälern der Kirche.
Es zeigt ihn mit Mitra, Stab und anderen Pontifikalien, deren Recht zu tragen er 1533 von Papst Clemens VII. erkauft hatte. Das Grabmal stammt vermutlich von dem zur damaligen Zeit in Nördlingen tätigen Bildhauer Hans Fuchs.Am 13. März 1558 wurde unter dem letzten Propst Mathias Langenmayer die Reformation eingeführt. Die Versuch, nach der Auflösung des Klosters eine Lateinschule einzurichten, schlugen fehl. Der Erwerb der Kirche durch die Kirchengemeinde im Jahr 1766 bewahrte diese vor dem endgültigen Verfall. Die übrigen Gebäude wurden nach dem Übergang der oettingischen Grafschaft an Bayern im Jahr 1812 und nach Auflösung des Vogtamts im Jahr 1850 abgetragen. Die letzte große Renovierung mit Freilegung der Renaissancemalereien wurde im Jahr 1988 abgeschlossen. Als letzter Schritt wurde im Jahr 2001 das gotische Fenster an der Südseite wieder geöffnet.
Die Kirche wird während der Sommermonate als Gottesdienstort genutzt.Kirchenführungen sind nach Voranmeldung jederzeit möglich. Der Schlüssel für Besichtigungen ist im Pfarramt erhältlich.

 

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